AEWO - Alles ein wenig ordentlich
27. Februar 2018, 17:06
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In und unter Annaberg-Buchholz

Der Marktplatz von Annaberg-Buchholz mit dem Hotel Wilder Mann
Der Marktplatz von Annaberg-Buchholz mit dem Hotel Wilder Mann

Warum nach Annaberg?

Meinem Plan zufolge, mindestens einmal im Quartal zu verreisen war es langsam mal wieder Zeit. Mitte Februar hatte ich mir extra noch zwei Urlaubstage genommen, um ein richtig langes Wochenende zu haben. Gerade als ich anfing über meinen Zielort nachzudenken, bekam ich eine Sonntagseinladung für eine Familiengeburtstagsfeier in Augustusburg. Das nahm ich zum Anlass zu schauen, welche Orte an der Erzgebirgsbahn liegen und stieß auf Annaberg-Buchholz. Von dem Ort hatte ich schon öfters gehört und eine kurze Recherche erweckte in mir den Eindruck, dass das Städtchen gut genug für 2 Tage ist.
Annaberg-Buchholz hat zwar nur etwas über 20000 Einwohner und ist damit kaum größer als Borna bei Leipzig (falls das wer kennt … nicht gerade der erste Ort an den man bei Urlaub denkt), aber es hat Historie, schöne Landschaft und auch ein paar Sehenswürdigkeiten.

Eine Zugfahrt ins Gebirge

Die Zugfahrt zum Ziel ist für mich immer auch schon ein Höhepunkt der Reise. Diesmal ging es zuerst gegen Mittag mit einem Zug der Mitteldeutschen Regiobahn von Leipzig nach Chemnitz. Da ich quasi nebenan wohne konnte ich es perfekt timen, aß noch ein belegtes Brötchen im Bahnhof und schon saß ich im Zug. Und es war so ein schöner Zug mit vielen Abteilen. Es kam mir ehrlich gesagt sogar etwas sauberer vor als bei der Deutschen Bahn. Und da es Donnerstag Mittag war, war der Zug auch angenehm leer. Ich hatte für die ganze Fahrt das Abteil für mich alleine und konnte schön aus dem Fenster schauen und die Landschaft an mir vorbeigleiten lassen und dabei immer mal Kreuzworträtsel lösen und chatten. So verging die Stunde wie im Zuge.

In Chemnitz stieg ich dann in die Erzgebirgsbahn um, die auch nochmal eine gute Stunde bis Annaberg fuhr. Das aber auf einer richtig schönen Strecke durch enge Täler, mit einem Flüsschen daneben und langsam aber sicher konnte ich auch mehr Schnee sehen.

Mensch ist das steil

Schnee ist auch gleich das Stichwort, was mir in Annaberg als erstes auffiel. Ich bin ja ein ziemlicher Flachlandtiroler und obendrein gab es diesen Winter in Leipzig bis dahin noch nicht wirklich Winter. Daher war es doch recht ungewohnt für mich, so steile Wege hoch und runter zu gehen, noch dazu auf Schnee und Eis. Ich muss zugeben, dass ich mich sehr vorsichtig fortbewegte und die einheimischen Senioren sicher ein eleganteres Bild auf den Wegen abgaben. Aus der Puste war ich obendrein, als ich den Berg von Bahnhof (ganz unten) zum Markt (noch nicht mal ganz oben) geschafft hatte.

Ich hatte mir die Zugfahrt zeitlich so gelegt, dass ich in etwa dann am Hotel ankomme, ab wann man einchecken kann und so checkte ich dann auch im Hotel „Wilder Mann“ am Marktplatz ein. Das Zimmer gefiel mir gut, ziemlich geräumig für ein Einzelzimmer. Das WLAN ging gut, eine freie Flasche Wasser auf dem Tisch und ein Tütchen Gummibärchen auf dem Kopfkissen waren auch nett (auch wenn ich die nicht esse, aber ich habe schon einen Abnehmer).
Danach erkundete ich noch etwas die Stadt so lange es noch hell war, suchte einen Supermarkt (der leider recht weit weg war zu Fuß) und machte mir Gedanken, was ich so die nächsten zwei Tage tun könnte in dem Örtchen.

Die Hotelbar erschien mir dann auch sehr einladend und mit dem Gutschein für ein Freigetränk, den ich ebenfalls bei Ankunft bekam, gönnte ich mir ein Schwarzbier. Und knabberte recht viel von dem zur freien Verfügung stehendem Knabberzeug. Dadurch und durch die Reiseaufregung hatte ich am Ende nicht so viel Hunger, als ich abends im Kartoffelkeller unter dem Hotel war. Es war ein recht kleiner Raum, aber er hatte seinen Charme. Die Speisen schienen lecker, aber ich nahm dann wegen der Satt-Situation nur einen kleinen Salat und eine Annaberger Kartoffelsuppe. Das war beides auch recht lecker.

Die Hotelbar vom Hotel Wilder Mann

Die Hotelbar vom Hotel Wilder Mann

 

Saunieren für Anfänger

Das Hotel hat im Keller auch eine Sauna, die man für jeweils 2 Stunden reservieren kann. Da ich vor einem Monat das erste Mal Sauna getestet hatte in einer kleinen Infrarotsauna hier in der Nähe und es sich interessant anfühlte, wollte ich es nochmal in einer richtigen Sauna probieren und reservierte am Vorabend für den Vormittag meines ersten Tages.

Gleich am Anfang passierte mir ein Malheur. Da es mir in der Sauna so dunkel erschien suchte ich einen Lichtschalter. Ich fand innen auch einen Schalter der so aussah wie ein Lichtschalter, aber als da nichts anging las ich im diffusen Licht „Notruf Rezeption“. Zum Glück war ich noch angezogen. Aber es zeigte mir, dass die Dame von der Rezeption tatsächlich recht zeitnah kommt wenn man ihn betätigt und es zeigte auch, dass hier der Usability-Designer geschlampt hat. Einen Notrufschalter optisch und haptisch so zu gestalten, dass er wie ein Lichtschalter aussieht erscheint mir doch etwas, hm, gewagt.

Da ich der erste am Tag war und die Sauna offenbar noch nicht komplett aufgeheizt war, hatte ich „nur“ 60 Grad, aber einem Anfänger wie mir genügte das eigentlich auch. Ich kam ausreichend ins Schwitzen. Dann konnte ich auch gleich kurz in die bereitstehende Wanne mit Eiswasser, dann noch abduschen und dann wieder eine Viertelstunde in einer schönen Liege entspannen. Das war ein richtig gutes Körpergefühl nach dem Eiswasser. Später erfuhr ich von einem Kollegen, dass es mit Eiswasser eigentlich schon Hardcore wäre und er sich „nur“ kalt abduscht danach. Ich dachte das muss so.
Da es mir so gut gefallen hatte, reservierte ich später am Tag nochmal 2 Stunden am Nachmittag des nächsten Tages. Da war die Sauna dann wie vorgesehen auch bei 90°. Das fühlte sich dann grenzwertig an, aber ich hielt es aus.

Griechischer Riesberg

Entspannt von der Sauna ging ich ein paar Schritte über den Markt zum griechischen Restaurant Akropolis und bestellte mir einen Auflauf. Das Lokal, Essen und Preis gefielen mir, da gab es echt nichts zu meckern.

Nach einer kleinen Spazierrunde ging ich dann zum Adam-Ries-Haus. Darin befand ich ein kleines Museum über eben jenen Herren, der in Annaberg (und vermutlich auch teilweise in Leipzig) gewirkt hatte. Es gab Interessantes zu sehen und zu lesen über sein Leben, seinen Beruf, Münzen und Mathematik allgemein. Mir schien es so als solle es noch ein genealogisches Kabinett dort geben, wo man schauen kann, ob man von Adam Ries abstammt (was wohl sehr viele tun), aber ich fand das beim besten Willen nicht. Da das Museum insgesamt auch sehr klein war glaube ich auch nicht, dass ich etwas übersehen habe. Aber da draußen das Wetter schön war und ich Lust darauf hatte, zu spazieren, war mir die Frage nicht wichtig genug, um nochmal an der Kasse nachzufragen.
Mein Spaziergang führte mich dann zuerst zur Kirche St.Annen. Vor der Kirche machte ich ein Selfie mit dem Denkmal meines Namenspatrons Martin Luther und drinnen war ich dann überrascht, wie wirklich hübsch und beeindruckend das da ausgestattet war. Wunderschön. In solchen Kirchen kann man manchmal eine Ahnung davon bekommen, wie sich der Glaube an eine höhere Macht anfühlen könnte. Auch wenn man weiß, dass es Menschen gebaut haben.

Das Martin-Luther-Denkmal vor der Kirche St.Annen

Das Martin-Luther-Denkmal vor der Kirche St.Annen

 

Danach ging es noch weiter den Berg hoch und danach wieder runter, so dass ich am Fuße des Pöhlbergs war. Dort unten ist ein Naherholungsgebiet der Stadt, so ähnlich wie der Wildpark in Leipzig. Da gab es auch viele Tiere, ich habe sogar mal ein paar Hasen gestreichelt. Und viel Schnee lag dort, im Wald und auf dem Hügel hält er sich wohl besser. Da sich meine Beine noch gehbereit anfühlten, ging ich danach den Berg hoch. Eine lange Straße nach oben mit breitem Fußweg daneben. Irgendwann merkte ich aber, dass die Aussicht dort schon super war, ich aber Lust hatte, mich in ein Kaffee zu setzen und ich war mir nicht sicher, ob oben auf dem Berg etwas wäre, was auch offen hat. Daher ging ich dann wieder bergab und wünschte mir, als Schlitten von Kindern an mir vorbeisausten, auch mal wieder einen Schlitten herbei.

Blick vom Pöhlberg auf Annaberg, winterlich gezuckert

Blick vom Pöhlberg auf Annaberg, winterlich gezuckert

 

The Erzgebirge in a nutshell

Der zweite Tag meiner Reise begann am Vormittag mit einem Besuch im Erzgebirgsmuseum. Ich war 10 Uhr zur Öffnung da und mein Plan war, eine Stunde Museum anschauen und eine Stunde die kleine Führung im Besucherstollen mitmachen. Die Frau an der Kasse wusste noch nicht, ob genug Leute für eine Führung kommen wüden, aber schon kurz nach mir kamen welche, die das auch wollten und am Ende waren es so viele, dass vermutlich die Kapazitätsgrenze für eine Führung sowieso erreicht war. Also funktionierte mein Plan doch. Das Museum war recht gemischt, aber auch interessant. Es gab Wissenswertes zur Stadtgeschichte (es wurde von Georg dem Bärtigen gegründet zum großen Berggeschrei und hatte kurz nach der Gründung schon mehr Einwohner, als heute), zum Bergbau (unter der Stadt muss es aussehen wie in einem Schweizer Käse), zur erzgebirgischen Weihnacht (ich habe schon öfters gehört, dass das dort richtig schön sein soll) und auch Kunst gab es dort sowie etwas über die Textilindustrie. Also wie gesagt sehr gemischt. Ganz famos fand ich auch ein großes Modell eines Jahrmarktes. Bei Knopfdruck ging dann auch noch eine verträumte Spieluhrmusik dazu an. Ich habe es mehrmals gedrückt, bei sowas kann man einfach nicht anders als zu lächeln und sich gut zu fühlen.

Das Modell eines Annaberger Jahrmarktes

Das Modell eines Annaberger Jahrmarktes

 

Danach ging es ab in den Schacht. Also letztlich war es nur ein Kleiner, ich glaube es ging so zwischen 10 und 40 Meter runter. Es war eng, dunkel, feucht und glitschig da unten. Wir konnten auch mal quasi klettern, als wir eine sehr steile und enge Treppe hochkletterten. Ich finde den Gedanken gruselig, dort arbeiten zu müssen, aber vermutlich ist es wie bei allem: man gewöhnt sich an alles. Es war auf jeden Fall, vor allem auch durch die Erläuterungen des Führers, sehr interessant. Und hat in mir das Interesse geweckt, bei einer der nächsten Reise nochmal etwas mit einem Besucherbergwerk aufzusuchen. Das nächste Mal vielleicht etwas Größeres.

Im Besucherstollen vom Erzgebirgsmuseum

Im Besucherstollen vom Erzgebirgsmuseum

 

Manufaktur der Träume

Bevor es weiterging kehrte ich noch im Restaurant „Zum Türmer“ ein, was gleich beim Erzgebirgsmuseum und der Kirche liegt. Als Einzelgast wollten sie mich fast unter einen unglaublich hässlich gelegenen Tisch platzieren (direkt unter der Treppe, im Durchgangsverkehr … in dem Fall wäre ich gleich wieder gegangen), aber ihnen war wohl selbst bewusst, dass sie diesen Platz nicht anbieten können, daher konnte ich mich dann am großen Stammtisch platzieren, wo später auch noch zwei weitere ältere Paare dazukamen. War auch mal interessant. Es gab Schwammegulasch. Böhmische Knödel hatte ich ewig nicht. Zusammen mit dem zartweichem Gulasch und der Holunderblütenschorle war es aber eine kulinarische Wohltat.

Anschließend ging es noch zur Manufaktur der Träume (bevor ich dann den Tag noch mit Sauna und Hotelbar ausklingen ließ). Ich wusste nicht so genau, was mich dort erwarten würde und hatte ehrlich gesagt auch keine großen Erwartungen bei so einem hochtrabend klingenden Namen. Aber es zog mich dann doch in seinen Bann. In dem Museum ging es hauptsächlich um Spielzeug aus alten Tagen, fantasievolle Dioramen, Schnitzkunst aus dem Erzgebirge, Märchen, Pyramiden und dergleichen.

Der verträumte Pyramiden- und Engelraum in der Manufaktur der Träume

Der verträumte Pyramiden- und Engelraum in der Manufaktur der Träume

 

Besonders schön fand ich die kleinen Separees, wo man offenbar einen Bewegungsmelder auslöste und dann per Zeitschaltung nacheinander verschiedene Dinge ausgeleuchtet wurden. Bei einem ging dann auch noch eine wunderschöne Spieluhr an. Dort, in diesem Moment, fühlte ich mich nicht nur wie an einem anderen Ort, sondern sogar wie in einer anderen Welt.
Dieses Haus kann ich echt fast jedem empfehlen (sofern er/sie sich noch Gefühle und etwas Kindliches bewahrt hat) und vor allem für Kinder sollte es auch ein schönes Erlebnis sein.

Und es war auch ein guter Abschluss meiner Reise. Verträumt ist ein gutes Fazit für Annaberg-Buchholz. Für 1-2 Tage lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall.