AEWO - Alles ein wenig ordentlich
17. April 2016, 11:19
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Frühling in Norddeich

Nachdem meine Reiseversuche in letzter Zeit öfters nicht funktionierten, habe ich einen neuen Versuch unternommen. Nach meiner bewährten Methode habe ich mein Reiseziel danach ausgesucht, wo ich ohne umzusteigen mit dem Zug hinkomme und wenn möglich sollte der Zug nicht zu früh abfahren. Mein Blick fiel auf die Verbindung Leipzig nach Norddeich Mole. Ein Blick auf die Karte zeigte, dass dies der nordwestlichste Zipfel in Deutschland ist, in Ostfriesland, die ostfriesischen Inseln nicht weit weg. Eigentlich wollte ich Reisen eher spontan buchen, aber bei diesem Ziel wollte ich gerne gleich eine ganze Woche verbringen, daher brauchte es doch etwas Zeitvorlauf wegen extra zu nehmendem Urlaub.

Bahnhof Norddeich

Der Bahnsteig Norddeich Mole von der Fähre aus gesehen

Durch den Vorlauf und die 25er Bahncard konnte ich auch wieder vergünstigt Tickets erstehen. Für die Hinreise kostete es 59€ und für die Rückreise 29€. Ich denke das ist ganz ok. Die Fahrt dauerte jeweils 6 Stunden und 40 Minuten. Ganz schön lange, aber wenn man bedenkt dass es vermutlich der am weitesten entfernte Punkt in Deutschland von Leipzig aus ist, geht das schon. Zumal man sich ja nur in Leipzig reinsetzen muss und es sich dann gemütlich machen kann, man braucht nur einen Zeitvertreib. Zugegeben, ich war da wohl nicht mehr geübt. Die ersten 3 Stunden zogen sich wie Kaugummi, obwohl ich da interessante Lektüre las. Vermutlich war ich innerlich einfach noch nicht richtig entspannt. Irgendwann fand ich dann diese innere Ruhe und dann verflog die Zeit schneller, selbst wenn ich nur aus dem Fenster schaute. Besonders die Rückfahrt ging dann gefühlt sehr schnell vorüber. Der Zug war auch angenehm leer, nur auf den Abschnitten zwischen Hannover und Bremen wurde es jeweils etwas voller, aber nie so, dass jemand in meinen Nahbereich eindrang, also sich auf meinen Nachbarplatz setzte.
Die neuen doppelstöckigen ICs fand ich aber ganz nett. Für meinen Koffer gab es Platz, es war sauber und durch die zweite Etage konnte man noch etwas besser aus dem Fenster sehen. Dagegen war es vielleicht etwas eng, wenn man es mit den Abteilen aus den alten ICs vergleicht. Auch schaukelte es oben manchmal; und ein Klo war kaputt. Insgesamt kann ich aber nicht so recht nachvollziehen, warum im Internet und auch teilweise dort im Zuge so viele Leute darüber schimpfen, als ob sie sich in Hundekot setzen mussten.

Außenpool vom Hotel

Der Einsteig zum Außenpool, man kann die Aussicht erahnen

Der Zug fuhr bis Norddeich Mole und von dem einzigen Bahnsteig dort bis zu meinem Hotel Fährhaus waren es nur 3 Minuten zu laufen. Dort hatte ich dann auch ein hübsches Zimmer mit Balkon und Blick auf Bahnsteig, Hafen und Nordsee und obendrein bei schönem Wetter Sonnenuntergang über dem Meer. Obendrein gab es einen Innenpool und einen in der obersten Etage (7.) außen. Dieser war besonders nett, da man sich dort von der Sonne bescheinen lassen konnte und dabei einen schönen Blick auf Nordsee und Hafen hatte. Dort war dann auch noch ein Relaxbereich, ebenso mit schönem Ausblick. Ich denke bei dem Hotel hatte ich eine gute Wahl getroffen, ist vermutlich das Beste am Platze.

Relaxbereich Hotel

relaxend im Relaxbereich mit Blick aufs Meer

Norddeich ist ansonsten ein eigentlich kleines Örtchen am Wattenmeer. Der größte Teil ist sicherlich Tourismus und dann gibt es noch etwas Fischerei wie mir schien und eine Klinik, bestimmt für Kuren und dergleichen. Zum Spazieren und Radfahren ist die Gegend gut geeignet und es gab eine gute Auswahl an Restaurants. Was mir nur auf meinem Balkon auffiel war der unerklärlich starke Autoverkehr. Den Grund dafür habe ich einfach nicht verstanden. So viele Touristen gab es dann auch nicht zu dieser Jahreszeit, die Stelle ist das sprichwörtliche Ende von Deutschland, weiter geht es da eigentlich nicht. Höchstens auf die ostfriesischen Inseln, aber die Fähre nach Norderney ging ca. alle 1,5 Stunden und so viele Autos passten da auch nicht drauf.
Einen Tag nutzte ich auch, um die Stadt Norden zu besuchen. Ich fuhr vormittags mit dem Zug von Norddeich hin. Dass man als Tourist nur 1 Euro zahlen musste fand ich nett und zielführend. Aber der erste Eindruck passte nicht so recht, viel Verkehr und herumlungernde Menschen am Markt, der letztlich aber nicht so richtig wie ein Marktplatz aussah. Dann bin ich etwas durch die Fußgängerzone spaziert, hier sah ich aber weder ein Restaurant noch einen Laden der mich zum Hineingehen animierte. Also landete ich wieder an einer befahrenen Straße und suchte nach dem Teemuseum. Ich habe dann nur etwas Imbissartiges verspeist, aber die Bulette zum Kartoffelsalat war schuhsolenartig und widerlich. Das Teemuseum war dann auch eher eine Enttäuschung. Ich war in ein älteres Haus gegangen, was angeblich 3 Etagen Museum hatte und 4€ Eintritt kostete. Es waren aber nur 2 kleine Räume, ein kleiner Kellerraum und das Obergeschoss konnte nicht besichtigt werden, weil keine Aufsichtsperson da war. Dies erfuhr ich aber natürlich erst auf Nachfrage und nicht beim Bezahlen des Eintritts. Klo gabs auch nicht. Offenbar gab es daneben noch ein anderes, neueres Haus vom Museum, aber für das galt mein 4€-Ticket nicht. Zu dem Zeitpunkt hatte mich der Ort dann schon maximal angeödet und ich wanderte zurück nach Norddeich. Nicht aus Geiz um die 1€ für den Bus zu sparen sondern weil ich mehr laufen wollte. Der Weg war dafür schön.

Schiffe Norddeich

Fischereischiffe im Hafen von Norddeich

Mein persönliches Highlight der Reise war dann der Ausflug nach Norderney an einem Samstag. Die Fähre vor der Tür brauchte für eine Strecke jeweils eine knappe Stunde und hin und zurück kostete es 18 Euro, fand ich ok. Natürlich hatte ich vorher das Wetter studiert und mir den Tag vom Urlaub ausgesucht, wo mutmaßlich das beste Wetter wäre und ich lag richtig. Es gab schön viel Sonne. Auf Norderney wanderte ich erstmal Richtung Norden. Über GoogleMaps hatte ich mir vorher schonmal einen Überblick verschafft, wo in etwa ein paar Restaurants sind und so fand ich dort dann auch ein Schönes. Hab mir den Bauch recht vollgeschlagen und davon keine Bauchschmerzen bekommen (sicher das erste Mal seit einigen Monaten), das gab mir gleich gute Laune. Strategisch günstig war das Restaurant am Anfang der Dünen von der Insel, also konnte ich nun einen landschaftlich reizvollen ewig langen Spaziergang machen, der mich durch die Dünen, auf die Aussichtsdüne und wieder zurück den langen Nordstrand entlang und durch den Hauptort führte. Dieser „Spaziergang“ dauerte ca. 3 Stunden und bescherte mir den ersten Sonnenbrand der Saison und einen Schokobart vom Schokoeis. Letztlich habe ich an dem Tag dann laut meinem Fitbit-Armband mehr als 20000 Schritte zurückgelegt, was bisher mein Rekord ist (also seit ca. 4 Monaten). Die eine Blase am Fuß habe ich dann aber am folgendem Relaxtag auskuriert.

Nordstrand Norderney

Ein langer Strandspaziergang ist sehr erholsam

Normalerweise wäre mir eine Reise für knapp 1000 Euro die Woche eine Spur zu teuer, aber ich wollte mir diesmal explizit etwas gönnen und habe nicht so darauf geachtet. Bereut habe ich es definitiv nicht, es war eine schöne Reise. Das Hotel war schön und die spazierfreundliche Umgebung sehr entspannend. An der Stelle muss ich aber trotzdem den Vergleich zu Warnemünde-Rostock anstellen, da die Orte-Konstellation ähnlich ist und ich da auch schon war und muss sagen, Warnemünde und Rostock gefallen mir deutlich besser. Preislich ist es ähnlich, aber die Städte an der Ostsee sind einfach deutlich größer und touristisch interessanter, da man mehr machen und sehen kann. Und in meiner Nase riecht die Ostsee komischerweise mehr nach Meer. Ich denke aber das ist etwas Subjektives, weil ich als Kind zuerst die Ostsee kennenlernte.

Norddeich Hafen bei Sonnenuntergang

Norddeich Hafen bei Sonnenuntergang